Einer der bekanntesten Weine der Welt ist Portwein. Bereits 1756 wurden die Weinbereitung und die Region durch die Initiative des damaligen Premierministers Marquês de Pombal gesetzlich geschützt. Aber wo genau wird Portwein gemacht, in Porto? Fehlanzeige! Von Porto aus kann ich über den Douro nach Vila Nova de Gaia schauen und die ganzen renommierten Kellereien bewundern. Damit ich die Weine probieren kann, geht es dann über eine Brücke auf die andere Seite.
Jetzt aber mal von ganz vorne. Durch die Region Douro fließt der gleichnamige Fluss. Er startet in Spanien als Duero bei Soria und fließt durch verschiedene Weinbauregionen, wie z.B. Ribera del Duero, in Kastilien und Leon. Bevor er in Portugal zum Douro wird, fließt er ca. 100 km an der spanisch-portugiesischen Grenze entlang. Diese Region heißt Arribes del Duero. Der Fluss fließt durch Portugal auf ca. 300 km von Osten nach Westen und mündet bei Porto und Vila Nova de Gaia in den Atlantik. Das Gebiet Douro wechselt klimatisch von West nach Ost sehr stark. Am Beginn der 38.000 ha Rebfläche steht das sogenannte Douro Superior. Die Niederschläge sind halb so hoch, wie am Ende am Atlantik. Cima Corgo ist der mittlere Bereich und am nächsten zu Vila Nova de Gaia liegt das Baixo Corgo. Die Böden sind überwiegend Schieferböden und die Hänge hin zum Douro sind steil. Die alten Weinberge sind in Terrassen angelegt. Das ist durch die notwendige Pflege der Mauern der Terrassen extrem teuer.
Ab den 70er Jahren kamen breitere Terrassen ohne Mauern auf. Sie sind wesentlich besser mechanisierbar und billiger. Aber der Preis ist eine extreme Bodenerosion. Die Weinberge des Alto Douro und Cima Corgo sind nach einem Punktesystem eingeteilt. Je höher die Punktezahl, umso hochwertiger der Weinberg. Zur Einteilung werden die Höhe, die Lage, der Boden, die Rebsorte und weitere Merkmale hinzugezogen. Nur die besten Lagen dürfen zur Herstellung von Vintage-Port verwendet werden. Welche Rebsorten sind von Bedeutung? Touriga Nacional wird als die hochwertigste angesehen. Des Weiteren sind Touriga Franca, Tinta Roriz, Tinta Barroca und Tinta Cão bei der Zusammensetzung beteiligt.
Der Ausbau erfolgt in sogenannten Lagares bei der traditionellen Methode. Lagares sind flache Becken mit 5.000 bis 8.000 Litern Fassungsvermögen. Die Trauben werden mit Stumpf und Stiel in diese Becken gegeben und mit den Füssen getreten. Dabei wird die Schale intensiv mit dem Fruchtfleisch in Kontakt gebracht und die Farbe wird in der Maische löst. Eine moderne Methode zu Weinbereitung sind die Autovinifikatoren. So gesehen geht es immer darum, möglichst viel Farbe in kurzer Zeit aus den Schalen zu gewinnen. Hochwertige Portweinkellereien gehen wieder zur traditionellen Methode zurück. Sie ist schonender.
Es sind fast 40 Rebsorten zugelassen und davon sind einige hochwertig und viele eher ausreichend in der Qualität. Und welche Weine werden aus diesen Rebsorten bereitet? Eine kleine, nicht abschließende Auflistung:
Leider hat Portwein das Image von Altdamen-Kaffeekränzchen. Dabei ist die Vielfalt enorm. Große Häuser mit Massenware stehen kleinen Weinmachern mit extrem individuellen Portweinen gegenüber. Auf jeden Fall sollte eines klar sein: einen hochwertigen Portwein gibt es nicht beim Discounter. Und ein unvergleichlicher Genuss ist mir persönlich seinen Preis wert.
Autor: Jörg Philipp, Degustar, Stuttgart
Beitrag veröffentlicht am 07.04.2010 in der Rubrik Anbaugebiete