An der Spitze der spanischen Qualitätspyramide steht seit 2002 die Herkunftsbezeichnung Vinos de Pago. Und hier beginnt bereits die Verwirrung. Der Name Pago stellt in Spanien eine klar umgrenzte Rebfläche dar. Manche bezeichnen es als Einzellage, was nicht zwingend vorgeschrieben ist. Aber zuerst die Klärung des Begriffes. Wenn man in Weinhandlungen die spanische Weinecke betrachtet, scheint es eine Unzahl von Pago-Weinen zu geben. Pago de los Capellanes, Pagos de Araiz, Pago de los Balgueses, Pago de Carraovejas und viele weitere. Ich freue mich über weitere Weine, einfach beim Kommentar eintragen!
Und diese ganzen Weine haben eine Genehmigung für den Namen, sind aber keine Vinos de Pago. Es handelt sich um Weine, die einen entsprechenden Namen haben und von einer Kellerei unter der D.O. Ribera del Duero, D.O.Ca. Priorat, D.O. Navarra oder D.O. Utiel-Requena auf den Markt gebracht werden. Wirkliche Vinos de Pago sind eine eigene zugelassene Anbauregion. Somit steht auf dem obligatorischen Konteretikett der D.O. z.B. Dominio de Valdepusa. Später kommt noch eine Liste mit allen aktuell zugelassenen Vinos de Pago.
Entstanden ist diese Stufe in 2003. Es gibt allerdings in Kastilien La Mancha eine Regelung, die bereits im August 2000 in Kraft trat. Dort wurde Vinos de Pagos definiert und im Juni 2002 Dominio de Valdepusa offiziell anerkannt. Die Anerkennung durch das spanische Landwirtschaftsministerium erfolgte erst im Februar 2003 und eine eigene Rechtsgrundlage schuf das Ministerium im Juni 2003. Dann kam noch die Europäische Union und segnete das Ganze im April 2004 ab. Man sieht, hier haben Kellereien Fakten geschaffen und der Gesetzgeber musste nachträglich reagieren. In diesem Zusammenhang ist der Name von Carlos Falcó unerlässlich. Ohne ihn wäre dieser Prozess nie ins Laufen gekommen und die Anerkennung seiner Domino de Valdepusa Weine waren die ersten.
Die Voraussetzungen zur Erlangung dieses Status muss jede autonome Region Spaniens selbst festlegen. D.h. alle, die eine entsprechende Regelung haben, können Vinos de Pagos zulassen. Die Kellerei muss hierfür einen Antrag stellen und fünf Jahre lang die geforderten Besonderheiten zu Klima, Böden, Vegetationszyklus und ähnliches dokumentieren. Insgesamt kommen da pro Jahr schnell 300-400 Seiten zusammen und werden sogar als Buch gebunden. Die Einzellage ist im Gesetz nicht festgelegt. Es muss sich um eine außergewöhnliche Gegend handeln und sich deutlich von anderen Gebieten in der Region unterscheiden. Es können auch verschiedene Rebgärten in einem Gebiet sein. Sie müssen nicht zusammenhängen und sollen in der Nähe der Kellerei liegen. Die Weine müssen getrennt von den anderen ausgebaut werden und der Prozess muss klar verfolgbar sein.
Die aktuell zugelassenen Vinos de Pagos (Stand 12/2009) sind:
Zusammenfassend sind die aktuell zugelassenen Vinos de Pagos von hervorragender Qualität. Es war eigentlich vorgesehen, dass die Weine eine entsprechende Marktrelevanz aufweisen müssen. Allerdings ist z.B. Señorío de Otazu zugelassen worden, obwohl zum Zeitpunkt der Zulassung noch keine Flasche Wein verkauft war. Da jede autonome Region die landesweite Regelung in eigenes Recht umwandeln muss, ist in einigen Regionen keine Umsetzung vorgesehen. Valencia hat 2009 das autonome Recht erlassen und es wird in naher Zukunft einige neue Vinos de Pagos geben. Das Recht macht es für den Weintrinker nicht einfacher, dafür ist die entstehende Vielfalt auf jeden Fall ein Gewinn.
Autor: Jörg Philipp, Degustar, Stuttgart
Beitrag veröffentlicht am 03.12.2009 in der Rubrik Anbaugebiete
03.12.2009, J. Abberer
Kompliment für diesen Artikel!! Hier noch ein paar Ergänzungen zur Namensverwirrung um die Weinbezeichnungen: Pago de Cirsus aus Navarra, Pago de la Jaraba Azagador DO und aus der Region um Cadiz Pago de Miraflores und Pago de Plata...