Ohne Weinbau keine Artenvielfalt am Steilhang

Veröffentlicht von admin | Allgemein | 10.Dezember.2008

Ohne umweltschonend bewirtschaftete Weinberge sind Erhalt und Pflege der Kulturlandschaft an den Steilhängen von Mosel, Ahr und Mittelrhein undenkbar. Als intakter Lebensraum der für diese Standorte spezifischen Artenvielfalt in Flora und Fauna sind sie die Voraussetzung für erfolgsorientierte Naturschutzpläne. Ausgehend von einer Initiative der Stiftung zur Förderung der Kulturlandschaft Rheinland-Pfalz sowie der Landwirtschaftskammer, traf sich jetzt ein Expertengremium von Weinbau- und Naturschutzfachleuten in Wittlich mit dem Ziel, die Problematik der Nutzungsaufgabe von Weinbergen in Steil- bzw. Steilstlagen zu untersuchen und Ansätze für die Verbesserung der ökonomischen und ökologischen Rahmenbedingungen für eine Weiterbewirtschaftung zu erarbeiten.

Fachreferate informierten die Runde mit Vertretern der Kammer, der Dienstleistungszentren Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz und Mosel, der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), des Bauern- und Winzerverbandes, der RLP Agroscience GmbH sowie der Stiftung Kulturlandschaft über Ergebnisse wissenschaftlicher Begleituntersuchungen zu typischen Lebensformen in Weinbergslandschaften, wie die Mauereidechse Podarcis muralis. Dabei wurde sehr schnell deutlich, dass die Notwendigkeit einer Erhaltung der weinbaulichen Nutzung in den Steil- und Steilstlagen unbedingt mit den Interessen des Naturschutzes einhergeht. Gerade die an trocken-warm geprägte Lebensräume gebundenen Leitarten, wie Mauereidechse, Smaragdeidechse, Apollofalter, partizipieren in erheblichem Maße von umweltschonend bewirtschafteten Weinbergen. Auch die Bodenordnung kann hier einen Beitrag sowohl zur Verbesserung der ökonomischen Grundlagen, als auch der ökologischen Bedingungen im Weinberg beitragen.

Wenngleich der Abwärtstrend seit zwei Jahren gebremst scheint, hat der Verlust von jeweils rund einem Viertel der Anbaufläche an Mosel und Mittelrhein zwischen 1997 und 2007 die Landschaft der Flusshänge elementar verändert. Die sogenannte Drieschenproblematik, also das Verwildern aufgegebener Weinberge, der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass die Aufgabe der Bewirtschaftung keineswegs eine Maßnahme im Sinne des Naturschutzes darstellt. Die damit verbundene Verbuschung, vor allem das aggressive Ausbreiten von Dornbüschen stellt eine massive Veränderung der Lebensräume heimischer Arten dar. Drieschen erwiesen sich als Brutstätten gefährlicher Pflanzenkrankheiten.

Die für die vielfache Aufgabe von Weinbergen in der Vergangenheit, insbesondere an Mittelrhein und Mosel, im Wesentlichen verantwortliche Problematik der Arbeitsintensität solcher Weinbergslagen wurde in der Expertenrunde als zentraler Ansatz ausgemacht. Als bedeutender Lösungsansatz wurde deshalb die Frage formuliert, wie ein erhöhter Anreiz für eine Wieder- bzw. Weiterbewirtschaftung gegeben werden kann. Umstrukturierungsprämie oder Agrarumweltprogramme bieten hierbei zwar erste Ansätze, fangen aber bei weitem nicht die Kosten auf, die z. B. schon bei der Errichtung und dem Erhalt einer Weinbergstrockenmauer anfallen.

Die von Kammer, Verband sowie Gemeinde- und Städtebund getragene Stiftung Kulturlandschaft strebt an, über eine Anerkennung des Terrassenweinbaus als Kompensation für Eingriffe in Natur und Landschaft eine Finanzierung von Restrukturierungs- und Revitalisierungsmaßnahmen zu ermöglichen. Neben dem Erhalt und der Weiterentwicklung der Vielfalt der Lebensformen (Biodiversität) auf diesen Sonderstandorten, steht dabei gleichzeitig das Bekenntnis zu einer umweltverträglichen Weinbergsbewirtschaftung auf der Agenda. Erst diese kann eine nachhaltige und dauerhafte Pflege unserer Kulturlandschaft, auch oder gerade in den landschaftlich reizvollen Regionen (Weltkulturerbe) des Landes Rheinland-Pfalz, ermöglichen.

Sowohl von kommunaler Seite, als auch von den DLRs wurde Kammer und Stiftung die Unterstützung und enge Kooperation für anstehende Projekte in der Bodenordnung und Bauleitplanung zugesagt. Das Prinzip Naturschutz durch Nutzung, darüber verständigten sich alle Beteiligte, kann an den Steilhängen von Mosel und Mittelrhein geradezu modellhaft umgesetzt werden.

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