Historische internationale Silvanerprobe in Schloss Castell, Franken

Veröffentlicht von admin | Allgemein | 11.Mai.2009

„Ein wahr gewordener Traum“

350 Jahre Silvaner – bei einer historischen Probe im Schloss Castell gab es Glückwünsche von den anerkanntesten Weinexperten aus aller Welt wie zum Beispiel von Jancis Robinson: „Der Silvaner ist auf dem Weg nach oben.“ 26 legendäre Silvaner aus berühmten Lagen in ganz Europa hatte der italienische Journalist Gian Luca Mazzella für diese einmalige Probenkonzept zusammengestellt, bei der sich der Silvaner über einen Zeitraum von knapp hundert Jahren mit einem unglaublichen Facettenreichtum präsentierte. „Für mich ist das ein Traum, der nun wahr geworden ist“, sagte Ferdinand Erbgraf zu Castell-Castell, der gemeinsam mit den VDP Prädikatsweingütern Franken zu dieser besonderen Geburtstagsfeier eingeladen hatte.

Who-is-Who: Silvaner, Erzeuger und Verkoster

Es ist eine Probe quer durch das Who-is-Who der Silvaner-Welt: Angefangen von A wie Abbazia di Novacella über B wie Bürgerspital zum Hl. Geist und C wie Fürstlich Castell`sches Domänenamt bis W wie Domaine Weinbach, Weltner, Wittman oder Wirsching. Und am Tisch versammelt ist das Who-is-Who der anerkanntesten Weinexperten weltweit: Publizisten, die in ihrer Heimat für renommierte Weinpublikationen schreiben, zudem einflussreiche Verkoster und Buchautoren sind und als Kapazitäten ihrer Zunft gelten: Jancis Robinson M.W., (England), Yumi Tanabe (Japan), Neil Beckett (England), Bernard Burtschy (Frankreich), Arne Ronold (Norwegen), Dr. David Schildknecht (USA) und natürlich Prof. Dr. Gian Luca Mazzella (Italien).

Probenkonzept

Über 6 Monate lang hatte Gian Luca Mazzella in den Kellern der renommiertesten Silvaner-Erzeuger Deutschlands, aber auch im Elsass und Südtirol nachgeforscht, um fast ein Jahrhundert Silvaner in seiner ganzen Vielfalt an Ausbaustilen und Varietäten darzustellen. Kein einfaches Unterfangen, wie Mazzella feststellen musste, der schon im Vorjahr zur Probe „Ein Jahrhundertprobe Riesling“ in Schloss Johannisberg geladen hatte, denn „Silvaner wurde in den Schatzkammern nicht so gepflegt wie Riesling.“ Auch die Präsenz sämtlicher Erzeuger war Mazzella wichtig für sein Probenkonzept, damit diese persönlich das ganze Spektrum des Silvaners vorstellen und mit den Verkostern diskutieren konnten: Die Terroirs, das Reifepotential, die unterschiedlichen Ausbaustile, die Nuancen der unterschiedlichen Klone – wer kennt schon blauen und gelben Silvaner -, die Reaktion des Silvaners auf unterschiedliche Jahrgangs-Klimata und natürlich auch die Qualitätskategorien vom Cabinet bis hin zur Trockenbeerenauslese. Ein Austausch, der für Erzeuger und Verkoster gleichermaßen rar und doch so wichtig ist.

Silvaner – Jahrgang 1915….

Wie immer, wenn große Weine geöffnet werden, ist die Stimmung ehrfürchtig. Und es wird nicht nur über den Wein an sich, sondern über viel mehr gesprochen: über die Liebe, über Erinnerungen, über Landschaften, über Familientraditionen und natürlich: über das Wetter. Zum Beispiel das aus dem Jahr 1915: Milder Winter, spätes Frühjahr, heißer Sommer…. Es ist ein 1915er Schloss Hallburger Sylvaner, mit dem die Probe in der Schlossbibliothek von Castell eröffnet wird und der mit seiner über fast ein Jahrhundert erhaltenen Frische und lebendigen Furchtsäure gleich für eine Überraschung sorgt. Es sei ihm nicht schwer gefallen, eine seiner nun nur noch sechs verbleibenden Flaschen für diese Probe bereit zustellen, sagt Paul Graf Schönborn: „Denn das hier ist eine Riesenchance für den Silvaner.“

Silvaner – Synonym für Franken

Noch bis vor 50 Jahren war er die am meisten verbreitete Rebsorte in Deutschland, im 19. Jahrhundert war jeder zweite Rebstock ein Silvaner. Dann geriet er vielerorts in Vergessenheit, wurde durch andere Rebsorten wie den Riesling verdrängt. Heute wird er auf 5.300 Hektar in Deutschland angebaut, das sind rund fünf Prozent der Rebfläche. In Franken jedoch behielt er seine Spitzenposition und wurde zum Synonym für das Anbaugebiet „so wie der Pinot Noir ein Synonym für Burgund ist“, erklärt Karl Martin Schmitt, Vorsitzender der VDP Prädikatsweingüter Franken. Die Renaissance, welche die Rebsorte nun erlebt, für ihn war sie längst an der Zeit: „Silvaner ist ein bekömmlicher Alleskönner und ein idealer Interpret des Terroirs.“

Lagerfähigkeit und Geschichte…

All das konnte der Silvaner bereits am Vorabend bei einem festlichen Abendessen auf Schloss Weißenfels in Pommersfelden bestätigen. Am Samstag aber nun überraschte er zudem noch durch die große Lagerfähigkeit. Zusammengerechnet 816 Jahre Silvaner aus den großen Terroirs von Franken, Elsass, Rheinhessen, Pfalz, Baden und Südtirol wurden von Spitzen-Sommelier Christina Fischer ausgeschenkt. „Eine großartige Möglichkeit, um den Silvaner in all seinen Variationen zu testen und die Identität der Rebe zu verstehen“, sagt Gian Luca Mazzella: „Denn um die Identität eines Weines zu verstehen, muss man seine Geschichte kennen.“ Und die ist im Falle des Silvaners wechselvoll, führte zu den unterschiedlichsten Stilistiken, wie auch die Probe an historischer Stelle dokumentiert. Vor 350 Jahren wurde Silvaner erstmals in Deutschland auf dem Casteller Schlossberg angepflanzt – eine Quittung über den Kauf von 25 Rebstöcken „Österreicher“, wie die Rebsorte damals genannt wurde, liegt im Archiv des Schlosses Castell.

Die letzte Flasche 1959er…

Die ältesten Weine stellt jedoch diesmal das Weingut Graf Schönborn mit dem 1915er Sylvaner – wie er damals noch geschrieben wurde – und aus dem gleichen Clos, dem ummauerten Schloss Hallberg, ein 1934er. In diesem Flight der ältesten Weine zudem noch ein 1949er Westhofener Kirchspiel natur vom Weingut Wittmann, ein 1951 Casteller Schlossberg Silvaner und ein 1952er Alsace Willm Sylvaner. Über die Jahre hinweg dann zeigen die Weine, welch großer Facettenreichtum im Silvaner steckt, wie er Lage und Jahrgang spiegelt: Ob trocken ausgebaut oder in seinen edelsüßen Variationen. Wie ein großer Fächer, der ausgebreitet wird, präsentiert sich die Rebsorte: Zeigt unverwechselbare Attribute wie ihre Eleganz und Kraft bei einer milden, aber doch lebendigen Säure, besticht durch Komplexität, beeindruckt mit ihrer Mineralität oder überrascht durch eine weiche, cremige Frucht. „Hört auf damit, den Silvaner mit dem Riesling zu vergleichen“, sagt Gian Luca Mazzella: Der Silvaner, er steht für sich. Nach 350 Jahren besser denn je. Eine einmalige historische Probe – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Das Bürgerspital ließ dafür die letzte Flasche einer 1959er Silvaner Trockenbeerenauslese vom Würzburger Stein entkorken. „Silvaner ist etwas Gutes“, sagt Karl Martin Schmitt: „Verbreiten Sie diese frohe Botschaft!“

Hinweis: Die komplette Liste der verkosteten Weine, sowie Bildimpressionen der Probe finden Sie unter http://www.vdp.de/de/qualitaetsversprechen/silvaner/

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