Werderaner Wachtelberg – die nördlichste für den Qualitätsweinanbau zugelassene Reblage der Welt

Veröffentlicht von admin | Weinberg und Keller | 5.Oktober.2009

Hier in Werder (Havel) einen guten Qualitätswein zu erzeugen, ist jedoch unter den gegebenen natürlichen Standortbedingungen eine sehr anspruchsvolle Aufgabe mit überdurchschnittlich hohen Risiken und Kosten.

So zeigen die Jahre seit der Wiederaufnahme des Weinbaus (seit 1985), daß diese Aufgabe ein Höchstmaß an Mut, Kreativität, Fleiß und Liebe zur Sache verlangt. Das betrifft auch den Ausbau des Weins, der seit 1989 im heutigen Landesweingut Kloster Pforta in sehr engem Kontakt mit erfahrenen Kellermeistern durchgeführt wird.

Das Hauptproblem ist auch heute, wie vor 200 Jahren, das Ertrags- und Rentabilitätsproblem. So berichtet der Königliche Hofgärtner Salzmann: “…unsere Weinberge sind zum großen Teil von recht ansehnlicher Größe, erfordern viel Arbeit und Dünger und verursachen große Kosten”.

Neben diesen Standortnachteilen wurde der Weinbau am Wachtelberg in den letzten Jahren zusätzlich mit Problemen konfrontiert, die sich vor allem aus dem Übergang von der genossenschaftlichen zur privaten Bewirtschaftung ergaben. Die Auflösung der Genossenschaft durch Mitgliederbeschluß führte zu gegensätzlichen Auffassungen der Bodeneigentümer und Eigentümer der Reblage (Stadt Werder) über die weitere Nutzung der Rebfläche. Unter diesen Bedingungen war in den Jahren 1991 – 1995 die Pflege der Rebstöcke nur bedingt möglich. Nur dem Engagement der Stadtverordneten der Stadt Werder (Havel) ist es zu verdanken, daß diese für Deutschland einmalige Weinbergslage erhalten blieb. Obwohl auch heute noch nicht alle Fragen der langfristigen Bodenverpachtung geklärt sind, konnte in den letzten Jahren ein großer Schritt in Richtung Eigentumssicherung und Verbesserung der Weinqualität getan werden.

1996 übernahm Dr. Manfred Lindicke die Bewirtschaftung des Wachtelbergs. Ab 1997 erfolgte ein schrittweises Umreben des Weinbergs. So wurde 1997 an traditionsreicher Stelle mit der Wiederanpflanzung von Rotwein begonnen (je 1.000 Stöcke ‘Regent’ und ‘Dornfelder’). 1999 kamen 1.000 Rebstöcke der pilztoleranten weißen Rebsorte ‘Saphira’ hinzu.

In den folgenden Jahren lag der Schwerpunkt auf dem Ersatz von schwachtragenden Müller-Thurgau-Reben durch Rotweinreben der Sorten ‘Regent’ und ‘Dornfelder’. Ab 2003 wurden dann wieder Weißweinreben der Sorten ‘Kernling’ und ‘Sauvignon blanc’ gesetzt. Paralell dazu erfolgte ab 2002 die Anlage zweier Weinlehrpfade mit jeweils 40 weißen und roten Rebsorten. Seit 2002 hat hier eine der nördlichsten Straußwirtschaften Deutschlands geöffnet. Hier lohnt sich ein Besuch immer!

Sortenanteile am Werderaner Wachtelberg
Regent 1,82 ha
Dornfelder 0,68 ha
Lehrpfad-rot 0,14 ha
Summe Rotwein 2,63 ha
Müller-Thurgau 2,46 ha
Saphira 0,25 ha
Kernling 0,08 ha
Sauvignon blanc 0,44 ha
Lehrpfad-weiss 0,26 ha
Summe Weißwein 3,49 ha
Summe Rebfläche 6,12 ha
nicht bestockt 0,07 ha
Gesamtfläche 6,19 ha

Mit freundlicher Genehmigung von: Weinbau Dr. Manfred Lindicke

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