Mostgewicht, Grad Oechsle und Klosterneuburger Zuckergrade

Veröffentlicht von admin | Weinberg und Keller | 16.November.2009

Das Mostgewicht steht als Indikator für den Alkoholgehalt, der in einem Wein voraussichtlich zu erwarten ist. Es stellt das charakteristische Gewicht, also die Dichte von Traubenmost dar und umfaßt sozusagen die Masse des Mostes im Verhältnis zu seinem inhaltlichen Gehalt. Im Spätsommer, kurz vor der Weinlese beginnen die Winzer und auch örtliche Behörden mit dem Messen des Zuckergehaltes in den Trauben. Neben dem Säuregehalt, dem Fruchtzucker, Traubenzucker und Glycerin, sowie kleinen Mengen an Proteinen und Mineralien wird die Reife der Traube bestimmt. Das Mostgewicht, was als Oechslegrad seine Bezeichnung findet, wird mit einem Refraktometer gemessen. Die erste Mostwaage wurde bereits 1861 von dem Österreicher Freiherr August Wilhelm von Babo entwickelt und war eine Senkspindel, auch Hydrometer oder Klosterneuburger Mostwaage (KMW) genannt. Die darauf befindliche Skala zeigte den direkten Zuckergehalt des Mostes in Prozent. Inhaltlich zeigt diese Mostwaage genau die gleichen Werte, wie das heute moderne Refraktometer.

Als erster Entdecker dieser Erfindung gilt jedoch der Pforzheimer Mechaniker Ferdinant Oechsle, der bereits 1820 mit dieser Methode den Alkoholgehalt des Weines bestimmte. Der Refraktometer ist ein Gerät, welches das spezifische Gewicht des Mostes mit dem Wassergehalt in der Traube vergleicht. Das Refraktometer bestimmt die Brechzahl durch Reflexion in einer flüssigen oder festen durchsichtigen Substanz. Dies geschieht, indem die Linse des Refraktometers mit Traubensaft benetzt und gegen das Licht gehalten wird. Auf diese Weise wird der potenzielle Alkoholgehalt des fertigen Weins eingeschätzt. Um mit einem Wein die Kategorie eines Qualitätsweines zu erreichen, muss die Reife einer Traube bei mindestens 50 bis 60 Oechslegrad liegen, darunter kann er lediglich die Bezeichnung Tafelwein erhalten. Mitbestimmend hierbei ist die Traubensorte als auch das Anbaugebiet.

Wenn ein Wein durchgegoren ist, die Hefen also viel Zucker in Alkohol umgewandelt haben, entsteht ein Volumen von bis zu 18%. Als Prädikatsweine dürfen Weine ab einem Oechslegrad von 80° bezeichnet werden, das ergibt einen Wein mit 84 Gramm reinem Alkohol pro Liter, was wiederum entspricht einer Alkoholkonzentration von 10,6 % Vol. entspricht. In Deutschland liegt das Mostgewicht eines mittleren Jahrgangs zwischen 70 und 80° Oechsle. Als Faustregel gilt, daß 10 Gramm Zucker pro Kilo Most in 0,66% vol. Alkohol vergoren werden. Die Qualität eines Weines wird aber nicht alleine durch das Mostgewicht bestimmt, vielmehr sind eine Vielzahl anderer Kriterien wie das Terroir und die Arbeit im Weinberg und Weinkeller ausschlaggebend für einen guten Wein.

Autor: Queeny

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