Rigosol – DER Weinbergsboden

Veröffentlicht von admin | Weinberg und Keller | 12.Oktober.2009

Im frühen Mittelalter mit Hacke und Schaufel, heute mit Pflug und Bagger, wird in Weinbergsböden immer wieder das Oberste zu unterst gekehrt. Dabei wird der Boden vor dem Pflanzen der ersten Reben einem Meter tief durchmischt.

In den Zeiten, bevor diese Arbeit sehr leistungsstarke Maschinen übernehmen konnten, musste zunächst eine Rinne von Hand ausgehoben werden. Die zuerst ausgehobene Rinne wurde dann jeweils mit dem Aushub der nächsten Rinne aufgefüllt. Der Aushub musste dabei gemischt werden, so dass humoser Oberboden und mineralischer Unterboden vermengt wurden. Der französische Begriff für die Rinne ist „la rigole“ und die Bezeichnung für durch rigolen veränderte Böden ist „Rigosol“.

Es sind Böden bekannt, die auf diese Weise eine Tiefe von fünf Metern erreichten. Tatsächlich nehmen die so tief gelockerten und tief mit Nährstoffen versorgten Böden große Flächen ein. Die Eigenschaften der ursprünglichen, natürlich entwickelten Böden werden zwar nicht ins Gegenteil verkehrt: kalkreich bleibt kalkreich und tonig schwer bleibt tonig schwer; dennoch werden die Böden durch das tiefe Bearbeiten und Durchmischen sich ähnlich. Die Durchwurzelbarkeit wird generell erhöht, die Wasseraufnahme in die Böden verbessert und die Nährstoffversorgung aus den länger feuchten Tiefen erleichtert.

Auch beim Anlegen von Weinbergsterrassen werden die Böden tief durchmischt. Wird dabei sehr viel Substrat bewegt, wird der eingemischte, humose und nährstoffreiche Oberboden so stark verdünnt, so dass Rohböden entstehen. Der Blick in die Tiefe eines Stuttgarter Keuperbodens zeift Flecken schwarzgrauer Humusfarbe bis in ein Meter Tiefe. Dies bezeugt den Fleiß früherer Stuttgarter Wingerter. Sie haben den Oberboden bis zu dieser Tiefe eingemischt, um die Durchwurzelung der Reben zu fördern.

Mit freundlicher Genehmigung von: Andreas Lehmann – http://www.bodenexponate.de/

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