Terroir – Echter Weingenuss

Veröffentlicht von admin | Weinberg und Keller | 6.Dezember.2009

Der Mosel-Winzer Reinhard Heymann-Löwenstein hat mit seinem 2003 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschienenen Önologischen Manifest “Von Öchsle zum Terroir” zur Verbreitung des Begriffes “Terroir” in Deutschland beigetragen. Ursprünglich wurde er von französischen Winzern geprägt und da sich der Begriff im Deutschen sehr schlecht mit einem einzigen Wort übersetzen lässt (“Umwelt” trifft es nur sehr unzureichend), gibt es darüber viel Verwirrung beim Laien und Streit unter Fachleuten, die teilweise gar den französischen Winzern vorwerfen, der Begriff Terroir sei eine Art Marketingstrategie, um die französischen Weine mit einem geheimnisvollen Begriff zu mystifizieren und ihnen einen unwissenschaftlichen Glorienschein zu verleihen.

Dabei fasst man unter Terroir zunächst einmal alle natürlichen Einflüsse und Faktoren bei der handwerklichen Bearbeitung der Trauben und des Mostes zusammen. Hierunter fallen zunächst die unmittelbaren Standorteinflüsse wie Boden und Herkunftsgebiet (terroir heißt in der direkten Übersetzung ja einerseits Boden und andererseits Gegend) und die diversen klimatischen Einflüsse, aber auch den Umgang des Winzers mit seinen Trauben bei der Auswahl der Rebsorte, der Lese und beim Keltern.

Dass der Begriff Terroir (auch mit “le goût de terre” apostrophiert, “der Geschmack der Erde”) zunehmend auch von Weinkennern und Winzern in Deutschland verwendet wird, ist als Gegenreaktion und auch Gegenwehr gegen die Globalisierung und damit Gleichmacherei durch Chemieeinsatz und andere Tricks im Weinbau zu verstehen. Es ist in der Lebensmittelbranche zunehmend eine Infantilisierung des Geschmacks zu beobachten, eben nicht nur bei Fertiggerichten, sondern auch beim Wein, der dann eben schön süß und nach verschiedenen (künstlich erzeugten) Fruchtaromen schmecken soll und dem dann nicht mehr anzumerken ist, ob er aus Kalifornien, Südafrika oder Europa stammt (und schon gar nicht, aus welcher Region).

Nicht nur Ökowinzer sehen in dieser ungesunden Entwicklung zur Gleichmacherei aber auch eine Chance, die Besonderheit eines bestimmten, unverfälschten Weines einer bestimmten Herkunft als echtes Naturprodukt für den Kenner und interessierten Laien deutlich zu machen. Die Tendenz geht also hier von der Quantität zur Qualität und die Bewertung eines Weines allein nach dem Öchsle-Gehalt (auch wenn dieser den Vorteil hat, objektiv messbar zu sein) gehört damit vielleicht auch der (jüngeren Wein-)Geschichte an. Die unterschiedlichen Böden haben, neben der Wahl der Rebsorte, wohl mit den größten Einfluss auf das Aroma des Weines, aber auch (klein-)klimatische Einflüsse wie Unterschiede zwischen Tages- und Nachttemperatur spielen eine Rolle (so speichern die kleinen Schieferbröckchen beispielsweise im Rheingauer Boden tagsüber die Sonnenwärme, um sie nachts wieder gleichmäßig abzugeben. Dies ist nur ein kleines Beispiel für unzählige Terroir-Faktoren, die ausmachen, dass ein Wein aus der gleichen Rebsorte unter natürlichen Anbau- und Verarbeitungsbedingungen eben nicht überall gleich schmeckt.

Viele Weinbauverbände erklären ihren potentiellen Kunden auf ihren Internet-Präsenzen mittlerweile das Wort Terroir und welche Bedeutung es für ihre spezielle Region hat, so zum Beispiel der Weinbauverband Hessische Bergstraße, die Gesellschaft für Rheingauer Weinkultur, die Ahr-Weingüter und die fränkischen Trias-Weingüter, um nur einige zu nennen, sowie unzählige Einzelwinzer.

Wein prägt seit seiner Einführung durch die Römer vor 2000 Jahren viele europäische Kulturlandschaften, und auch viele Ökosysteme sind in Gefahr, wenn z.B. schwer zu bearbeitende Steillagen aufgegeben werden, diese dann verunkrauten, die typische Weinbergsflora mit Goldaster, Diptam, Buchsbaum, Felsenkirsche und Weißer Fetthenne dadurch verdrängt wird und damit auch vielen Eidechsen- und Schmetterlingsarten der Lebensraum entzogen wird, wie Reinhard Löwenstein in seinem eingangs erwähnten Manifest erklärt.

Autor: Kulturgut-Wein.Info

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